2013

"Vom Ringen um Ideale und der Hassliebe zur Heimat" In: Ibbenbürener Volkszeitung, 15. Jan. 2013

30. Jan. 2013 Potsdam Premierenlesung DER IDEALIST  Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten, 26.01.13

Brigitte Breitkreuz, Konzertgitarre spielt zur Lesung  Foto ©Elke Hübener-Lipkau

1. Sonatine – Andantino espressivo, op. 071/02 (Mauro Guiliani, 1770–1841)


2. Tarantella (Johann Kaspar Mertz, 1806 – 56)


3. Milonga (1929, Juan Buscaglia)


4. Bailonga (Máximo Diego Pujol, geb. 1957 in Buenos Aires)


5. Jesu, Joy of Man’s Desirius, Cantata, BWV 147 (J.S. Bach, 1685 – 1703; David Qualey, geb. 1947 in Salem, Oregon)

Stadtbibliothek Münster, 25.02.2013

Zur Lesung improvisiert Thomas-Lupo Hölscher (Gitarre): Hey Joe - Jimi Hendrix / Going ahead - Pat metheny / Horizons - Steve Hacket u. a.

Quelle: "Dichtung und Wahrheit", Reinhard Bamming. In: IVZ 01.03.13

"Schläge in der Schulzeit: 'So etwas vergisst man nie.'" Anne Steven. In: Tageblatt Ochtrup, 08. März 2013

"Aufgewachsen mit 10 Geschwistern". In: Tageblatt für den Kreis Steinfurt, 27.02.2013

PODCAST: Buchtipp von Ulrich Rieke und Yochi Buhmann v. 13.03.13:

Aktuell aus Kultur: Der osradio-Buchtipp: "Mein Himmel brennt" von Heinrich von der Haar: osradio-buchtipp-mein-himmel-brennt.mp3

www.osradio.de/kultur/2013/03/13/der-osradio-buchtipp-mein-himmel-brennt-von-heinrich-von-der-haar/&ct=ga&cad=CAcQAhgBIAEoATAAOABArNyCigVIAVgAYgVkZS1VUw&cd=3vsQnNb27tY&usg=AFQjCNG6n-n-6tfU7M-vCFl4HCUMfLooTA

Berliner Premierenlesung DER IDEALIST in Berlin-Steglitz am 12. März 2013. Einladung

Berlin-Steglitz 12. März 2013 mit 140 Gästen

Premieren-Lesung Heinrich von der Haar - Der Idealist -

Es spielen:  Boxhagener Stadtmusikanten

love peace und jazz-Improvisationen – Hippiemusik

Sopransax:    Monika Fus

Klarinette:    Wolf Bayer

Akkordeon:  Christian Pugatschow

Trompete:    Steffen Rehm

Gitarre:    Barbara Lange

Bass:    Sabine Maxant

Schlagzeug:    Anne Vogel

1. San Francisco (1967, John Phillips)

2. Day dream (1966, John Sebastian)

3. Black Orpheus  (1917)

Vorstellung

4. The house of rising sun (ca. 1840, trad. englisch)

Lesung 1

5. Bella Ciao (trad. ital.)

6. I get around (1964, The Beach Boys)

Lesung 2 und Gespräch

7. Sunny Afternoon (1966, Kinks)

8. California Dreamin’  (1964, John Phillips)

9. Mazel Tov (trad. Klezmer)

10. Bei Mir Bist Du Scheen (1932) ……..

15.03.13 Süß + Salzig, Merseburger Str. 44/Ecke Karl Heine Str.,  Leipzig. Lesenacht

youtube-Video: Lesung 09.04.13

> "...  das erinnert mich sehr an meine eigene Geschichte, weil ich auch selber aus dörflicher Enge und Strenge nach Berlin gekommen bin... mit sehr vielen Parallelen..." youtube, 09.04.13, 4:48.

> "Wir haben zur gleichen Zeit studiert und zur gleichen Zeit ... in der Schule auch eine gewisse Karriere gemacht, das war schon sehr authentisch." youtube, 09.04.13, 5:00                 

Quelle: infoeichkamp, Ausgabe 1, März 2013

Quelle: http://eichkamp.twoday.net/

Lesung im Eichkamper Gemeindehaus am 09.04.13. Fotos: ©Manuela Wirth

Quelle: Klaus-H. Kiehl. In: Einkamp-News. Forum Eichkamp, 13.04.2013

Zur Kreuzberger Lesung am 12. April 2013      aus Der Idealist

Christian Pugatschow, Akkordeon, Improvisationen:

1.      Sous le Ciel de Paris (1954, Édith Piaf 1915-63)

2.      San Francisco Be Sure to Wear Flowers in Your Hair (1967, John Phillips 1935-2001, US-Amerikaner)

3.      Black Orpheus  (1959, Luiz Bonfá 1922-2001, Brasilianer)

4.      The house of rising sun (ca. 1840, trad. englisch)

5.      All of me (1931, Komposition von Gerald Marks, 1900-1997, und Text von Seymour Simons 1896-1949)

Leon W. Schönau, Flügel. Improvisationen:

1. Yesterday, all my troubles seemed so far away …  (1965, Paul McCartney)

2. I Can’t Get No Satisfaction (1965, Mick Jagger, Keith Richards; The Rolling Stones)

3. Bandiera rossa - Avanti Popolo, alla riscossa …  (1908, Text: Carlo Tuzzi; Melodie: lombardische Volkslieder)

4. Moritat von Mackie Messer Das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens. In: Die Dreigroschenoper (1928, Text: Bertolt Brecht; Musik: Kurt Weill)

Quelle: "Wer die krassesten Parolen brüllt, hat den meisten Sex."

In: Bergedorfer Zeitung, Bille Wochenblatt, S. 4, 17.04.13

REZENSION In: Poetry slam forum. www.MySlam.net, 16.03.13:

Quelle: Veranstaltung - Die Bergedorfer Lesebühne. In: www.regiomusik.de/veranstaltung/termin/1326743, 24.04.13 / REZENSION Karsten Lieberam-Schmidt

Quelle: www.BeLaMi.de, 18.03.13  15:33

Quelle: "Zuhörer waren erschüttert". Simone Knocke. In:  04. Mai. 2013

Quelle: Integrierte Gesamtschule Fürstenau, 22. April 2013

Qelle: Simone Knocke.

Quelle: "Ewig in der Hölle schmoren". In: Münstersche Zeitung, 24.04.13

Quelle: Europaliteratur.Blogspot.co.uk/2013_03_01_archive.html Hans Bäck, 31. März 2013

Quelle: "Bücher, die unter die Haut gehen" von Rainer Nix. In: Münstersche Zeitung, 27.04.13

Quelle: "Ein in vieler Hinsicht authentischer 'Idealist'". von Drunkenmölle.

In: Westfälische Nachrichten, 27.04.13 (Steinfurter Kreisblatt)

Quelle: Begegnung. In: Krifteler Nachrichten, 03.05.13

Quelle: Lesebühne.  In: Frankfurter Neue Presse, 26.04.13

Quelle: Lesebühne: Ein Münsterländer in Berlin. In: Frankfurt-live.com, 16.04.13

Quelle: Lesebühne. In: Krifteler Nachrichten, 05.04.13

Quelle: "Der Idealist - GdP-Lesung des Romans von Heinrich von der Haar. Aktuelle Meldungen der Gewerkschaft der Polizei - Bezirk Bundespolizei" von Martin Schilff, Vorsitzender Bezirkspersonalrat beim Bundespolizeipräsidium. In: Online-Ausgabe Nr. 4461 | Mittwoch, 15. Mai 2013. http://www.gdpbundespolizei.de/2013/05/der-idealist-gdp-lesung-des-romans-von-heinrich-von-der-haar/

Quelle: "GdP-Lesung". In: Deutsche Polizei. Ausgabe: Bezirk Bundespolizei. Bezirksjournal. ISSN 0949-2836. Heft Juli 2013, S.3.

Quelle: "Verlorene Illusionen" In: MAZ, 16.05.13

Quelle: "Heinrich von der Haar liest 'Der Idealist'" von Ohlwein. In: Brawo, 26.05.13

Quelle: Vom Aufbruch eines Provinzlers. In: Preussenspiegel, 29.05.13, S. 6

Quelle: Fortsetzung in Rathenow. Von Uwe Hoffmann. In: Märkische Allgemeine, 24.05.13

Zur Lesung von Heinrich von der Haar am 22. Mai 2013 in Rathenow

spielt das Gitarrenensemble der Musikschule Rathenow:

Anna Müller, Cordula Förster, Waltraut Laade (Leitung), Jörg Nabrdalik, Andreas Hofschläger

1. "Tanz Nr.1"  aus 7 Tänze (Tanzbuch) von Tielmann Susato (1500-1564) // Git.-Ensemble

2. "Walzer" von Johannes Brahms (1833-1897)// Git.-Duo (Anna Müller/ Jörg Nabrdalik)

3. "Liten Bag pa Skagerak" von Maria C. Linnemann ( 1947 - ) //Git.-Duo (Cordula Förster/Waltraut Laade)

4. "Beguine for Guita"   von Leslie Searle // Git.-Ensemble

5. "Abendlied" von Curt Mahr // Git.-Ensemble

Quelle: Brandenburger Wochenblatt, 12.05.13

Quelle: PreussenSpiegel, 17.05.13

Quelle: "Buchlesung..." In: http://www.rathenow.de  Newsdetailansicht.59+M5be8177c3c1.0.html?&tx_ttnews[pointer]=1Nachrichten, 26.03.13. In: Rathenow-Aktuelle Nachtrichten.

Quelle: "Vom Revolutionär zum Spießer." von Rita König. In: Brandenburger Wochenblatt, 05.05.13

Der Autor im Gespräch mit Berenike Jacob, Inhaberin der Bücherei, in der Tértulia, Aljezur, Portugal

Literaturgespräch und Lesung 29.03.13 in Aljezur,  Catrin George moderiert

Kulturpunkt 23. Mai 2013

Quelle: Catrin George. In: kulturpunkt. http://www.catringeorge.blogspot.pt/2013/05/heinrich-von-der-haar.html

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kulturpunkt.- Brief-Gespräch mit dem Schriftsteller Heinrich von der Haar   Kurzvita www.heinrichvonderhaar.de


Sieben Fragen-Sieben Antworten von Catrin George ©


Lieber Heinrich von der Haar,

Sie sind unser zweiter Autoren-Gast in 2013 beim kulturpunkt. - in der Algarve. Bem vindo und herzlich willkommen. Bevor wir Sie am Karfreitag Live bei einem literarischen Kolloquium in der Biblioteca de Aljezur in den Räumlichkeiten der Tertulia begrüßen werden, möchte ich Sie und Ihre Bücher in einem Brief-Gespräch gerne vorstellen.

Ihr Debüt-Buchtitel „Mein Himmel brennt“, das Sachbuch „Kinderarbeit in Deutschland“- Dokument und Analyse, sowie Ihr brandneuer Roman „Der Idealist“, sind beim Kulturmaschinen Verlag, Berlin, erhältlich.

Ihre beiden Roman Erzählungen verbindet eine Zeitspanne mehrerer Jahrzehnte über den Protagonisten beider Bücher - Heini. Heini wächst in den Fünfziger Jahren im Münsterland in einem winzigen Dorfweiler namens Steinhop auf und lebt mit seinen zehn Geschwistern, den Eltern und der Schwester des Vaters in beengten Wohnverhältnissen. Seine Kindheit ist geprägt von Prügel, Arbeit, Drohung und Strafe. Im Laufe des Romans „Mein Himmel brennt“ wächst das Kind zum pubertierenden Jungmann heran, der sich immer heftiger gegen seinen Vater aufzubäumen beginnt.


1.       Sie beschreiben in Ihrem Buch in anrührend bildhafter Kontinuität, wie sich Heini entwickelt, welche Schlüsselerlebnisse ihn begleiten, welche innerlichen Konflikte ihn zermürben.  Ihrer Sprachgewandheit schafft ein detailliertes Bild von Heini und seinen Geschwistern, all Ihre Figuren kommen dem Leser plastisch aus dem Buch entgegen.

Die Nähe zu Ihrer Hauptfigur, lieber Heinrich von der Haar, wie haben Sie die entwickelt?

Wer versetzt sich schon gern in eine schwierige Kindheit eines Bauernjungen, der weitab vom Dorf, ohne Rad und Radio, aber mit katholischer Prügelerziehung und endloser Kinderarbeit aufwächst, was ihm seine Kindheit raubt? Vergessen kann überlebenswichtig sein. Nach vierzig Jahren Entwicklung in der fernen Großstadt war es für mich ein Abenteuer, sich zu erinnern, mit der Gefahr, die emotionale Stabilität zu verlieren: Das Gedemütigtsein als plattsprechender, stinkender Bauernjunge, die Gewalt in der Schule und Familie, die Überforderung durch Arbeit . Oft erzwingt eine Erschütterung ein Zurückgehen in die eigene Kindheit. Wie bei mir, als ich niedergeschlagen wurde. All die erinnerten Erlebnisse, auch die anderer Kinder im Dorf, können sich dann zu einem Roman auswuchern.


2.       In Ihren Dialogen, die Ihrem Roman Bildhaftigkeit und Tempo über die Geschehnisse verleihen, schreiben Sie zum Beispiel die Stimme des Vaters konsequent Münterländisch Platt. War das schwierig und was hat Ihr Lektor später dazu gesagt?

Schwierig? – Im Gegenteil: Erinnerungen sind gebunden an die Sprache, wie an Gerüche. Zunächst habe ich in Platt geschrieben, aber mir war schnell klar : Das versteht kaum noch einer. Deshalb ich alles übersetzt, und nur wenige (leichte) Sätze beim Antagonisten belassen, dem Vater, der den Hof auch durch Kinderarbeit und Prügel zu retten versucht, sich aber der Moderne, auch der hochdeutschen Sprache widersetzt.


3.       Heini wird täglich geprügelt, das hinterläßt äußere und innere Spuren. Als Sie Ihr Debut auf einer Lesereise durch das Münsterland, sowie anderorts und auch in der Algarve, vorgestellt haben, welche Reaktionen haben Sie erreicht?

Oft polarisiert die Lesung. Einerseits fanden manche  Gäste die 50er Jahre als friedvoller, freier und glücklicher als heutige Zeiten.  Ich würde das Münsterland schlechtmachen, es sei üble Nachrede.  Ich hätte wohl nicht genug Prügel gekriegt und bräuchte mich da nie wieder sehen zu lassen, hieß es vereinzelt.  Ein Veranstalter bekam Drohungen. Ein Pfarrer hat seiner katholischen Bücherei das Anschaffen von Mein Himmel brennt verboten. Manche tabuisieren die Tatsache, einen prügelnden Lehrer oder Vater gehabt zu haben, was nachvollziehbar ist.

 

Andererseits äußerten sich viele sehr betroffen und dankbar, dass der Junge Heini in dem Roman eine Stimme bekommen hat, und reagierten mit überwältigender Anteilnahme, auch in unzähligen Leserbriefen. Das Verschweigen der Benachteiligung von Kindern in Bauerndörfern in der Wirtschaftswunderzeit müsse aufhören. Und sich noch zu schämen, nur platt zu sprechen, Holzschuhe zu tragen, kinderreich und arm zu sein, nicht auf die Realschule zu dürfen, immer arbeiten zu müssen, wenn andere Ferien haben. Damit rechnen zu müssen, jederzeit weggegeben zu werden. Dieses allein gelassen werden, geprügelt, missbraucht zu werden, und dann noch das Verschweigen der geraubten Kindheit beschweigen.

Ich finde es genugtuend, dass heute in einem Teil der katholischen Büchereien und Pfarreien eine Lesung aus Mein Himmel brennt möglich und sich teilweise eine kritische Haltung gegenüber der brutalen Erziehung der 50er Jahre entwickelt.


4.       Körperliche Strafen, Kinderarbeit, ein Thema, das in der Zeit, die Sie in „Mein Himmel brennt“  als Handlungszeitraum in Ihren Plot einweben, ich formuliere es einmal so, niemanden besonders auf die Barrikaden gebracht hat. Das Thema an sich und in sich, beschäftigt Sie - aber nicht nur als Romanautor.

Sie haben ein Sachbuch über dieses Thema veröffentlicht, das in überarbeiteter Neuauflage ebenfalls im Kulturmaschinen Verlag, Berlin, erhältlich ist. Misshandlungen an Kindern, in Form von Kinderarbeit, und seelischer Grausamkeit, bis hin zu Übergriffen sexuellen Antriebes, sind auch heute noch im Jahr 2013, stigmatisierte Tabu-Themen. Aber Sie legen den Finger in die Wunde und decken auf. Ein mutiges Buch, ein wichtiges Buch. Wie kam es dazu?

„Kinner mit nem Willen, kriegen wat vor de Brillen!“ Den Willen der Kinder muss man brechen, war in den 50er Jahren in manchen Regionen die Erziehungsregel, oft auch von katholischen Glaubensträgern, denen nach dem NS-Zerfall  moralische Autorität zugewachsen war. Wer Lehrer und auch Eltern mit dieser Prügelpädagogik hatte, konnte als Kind sein Haupt nicht erheben. Erst Mitte der 70er Jahre wurde der Rohrstock in den Schulen verboten, aber Gewalt in vielen Familien blieb die Regel. Einzufordern, dass Schulpflichtige auch Menschen mit individuellen Rechten sind, ist immer noch nötig.


5.       „Kinderarbeit in Deutschland“, nach wie vor oder wieder besonders ein aktuelles Thema. Lieber Heinrich von der Haar, in Ihrem Buch vereinigen sich Kapitel über dieses Kernthema und seine gesetzliche Festlegung, bzw. Auslegung. Ein umfangreiches  Zeitdokument. Welche Erfahrungen konnten Sie während der Recherche sammeln?

Das Erstaunlichste: Viele meinen, Kinderarbeit gebe es bei uns kaum noch - aber sie ist für mehr als ein Drittel der Kinder in Deutschland bedeutsam. Dann hört man oft den leichtfertigen Vorwurf, es handele sich um „konsumgierige“ Kinder. Erschreckend gleichgültig stehen viele der Vernachlässigung der Schule und den gesundheitlichen Schäden durch Kinderarbeit gegenüber. Die familiären Notlagen sind weitgehend unsichtbar und scheinen unerheblich. Die Scham der aus Not arbeitenden Kinder und ihrer Familien verstärkt das Tabu noch.


6.       Sie gehen in diesem Buch noch einen Schritt weiter und berichten über Kinderarmut, Straßenkinder, und Kinderprostitution, in Deutschland – Heute - sowie die Instrumentalisierung von Kindern für zum Beispiel Mediengeschäft und Sport. Manch einer mag sich wundern, was das mit Kinderarbeit zu tun hat. Können Sie den Zusammenhang verdeutlichen?

Bei Kinderarbeit handelt es um Erwerbstätigkeiten  Schulpflichtiger gegen Entgelt: Ob nun überehrgeizige Mütter ihre Töchter in die Mode- oder Filmbranche drängen, ob Kinder aus verwahrlosten Familien sich „selbstständig“ ihr Geld für Drogen auf dem Strich verdienen, ob osteuropäische Väter ihre Jungen zum Betteln auf die Straße schicken oder ob Kinder aus armen Familien sich für ihren Lebensunterhalt z. B. zum Putzen verdingen müssen - die Gesellschaft und der Staat dürfen sich ihrer Schutzpflicht für Kinder nicht entziehen.


7.       Ihr neues Buch „Der Idealist“ feierte vor wenigen Wochen Premiere. Heini ist nun ein junger Mann. Heiner. Die Geschichte beginnt laut Lesprobe bei Stunde Null, nämlich als sich Heini auf den Weg macht, Steinhop zu verlassen. Sein Ziel: Berlin. Lieber Heinrich von der Haar, ohne zuviel zu verraten, denn wir möchten ja gerne mehr über „der Idealist“ und Live als Zuhörer erfahren, wie fühlt sich das Ankommen in Berlin für Heini an und wohin führt uns diesmal Ihr magischer Erzähl-Faden?

Der Enge des Münsterlandes zu entfliehen, riecht nach Freiheit. Der Provinzler möchte seine Vergangenheit eintauschen gegen die Freiheit in der Großstadt, gegen die Studentenrevolte der frühen 70er und die Macht, die Welt zu verändern. Die Reise führt durch die wechselnden Landschaften von Erinnerung und Geschichte, in eine Welt, in der die Wahrheit sich von einem Moment zum anderen verändert.

Das wird nicht aus der Sicht von heute erzählt, sondern aus der der damals handelnden Personen: über ihre Versuche und Wagnisse, Hoffnungen und Erfolge, Selbsttäuschungen und Niederlagen. Die Ereignisse der 70er Jahre werden mit den Schicksalen von fünf Menschen in der WG verflochten, die den Aufbruch aus autoritären Elternhäusern gemeinsam  haben. Es geht um Sehnsucht nach Gerechtigkeit, aber auch um Dogmen und um die Macht der Angst. Über zarte Versuche freier Liebe und Entsagung, Wohngemeinschaft und Einsamkeit, Aufbegehren und Sicheinfügen.

Der Leser erlebt das Brennen Heiners für sein Gerechtigkeitsideal, den Zweifel an der Studentenbewegung, das Suchen und Finden, das Gewinnen und Verlieren. Im Studium und der Liebe, in der WG und bei politischen Aktionen, als Lehrer und Vater. Der  Soziologiestudent will die Ursachen der Ausbeutung begreifen und bekämpfen. Aber die Schatten der Vergangenheit holen ihn ein - die Gewalt, die ihm angetan wurde, und alte Schuldgefühle.

Erzählt wird von der Zerrissenheit, mit der er sich zwischen tiefer Ablehnung seines Heimatortes und Anpassung an den neuen befindet. Wird ihm die Versöhnung mit Vater gelingen? Was hilft ihm seine Willenskraft und seine Bodenständigkeit? Endlich kann er etwas verändern - glaubt er. Was er jedoch erntet, ist Wut, und die eskaliert …


Vielen herzlichen Dank, lieber Heinrich, wir freuen uns auf Sie!

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Quelle: Catrin George. In: kulturpunkt. http://www.catringeorge.blogspot.pt/2013/05/heinrich-von-der-haar.html


kulturpunkt. - Revue

Zusammenfassung eines literarisch bunten kulturpunkt. Nachmittags in Aljezur in der Biblioteca Aljezur von Berenike Jacob anlässlich des einjährigen Bestehens der Bücherei:


Ihr wollt wirklich eine Lesung am Karfreitag veranstalten? -

Ja, wir wollen und nicht bloß Eine.


Es ging los ab 14 Uhr, hieß es in der Ankündigung, ab 15 Uhr füllte sich der kleine Saal, in dem die Assoziation Tertulia und die Bücherei von Berenike Jacob zu Hause sind.

Es gab köstliche selbstgebackene Kuchen und Berliner, Kaffee, Sekt und Tee - und jede Menge gute Lektüre. AutorInnen zum Anfassen lautete das Motto - und so verbrachte das Kultur interessierte Publikum den Nachmittag mit Vorlesungen und Gesprächen, Moderation und Fragestunde.

Die AutorIn Alina Stoica erzählte anschaulich von ihrer schriftstellerischen Gefühlswelt, wie sie Ideen entwickelt und was für sie besonders wichtig ist in ihre Geschichten handwerklich einzubauen. Ihr Bestreben, Spannung mit Gefühl zu verbinden, gelingt ihr auf einfühlsame Weise in ihren Gedichten genauso wie in ihrem Debütroman "Gänseblümchen aus dem Jenseits" - und zwar so authentisch, dass ihr Publikum am Ende ihrer Lesekostprobe den Atem anhielt und auf mehr wartete.

Cliffhanger, grinsten die Kollegen, und freuten sich für Alina und ihren direkten Draht zu ihren neu gewonnenen Fans und künftigen LeserInnen.

Nach einer gemütlichen Pause mit regem Austausch zwischen AutorIn und ihren Zuhörern ging es weiter mit dem Schriftsteller Heinrich von der Haar.

Nach einem kurzen Einführungsmodus entführte Heinrich sein Publikum in die düstere Kindheit eines Jungens namens Heini im Münsterland und mitten hinein in sein Buch "Mein Himmel brennt". Der Autor beschreibt das Aufwachsen des Jungens inmitten von zehn Geschwistern auf einem Bauernhof in bescheiden wirtschaftlichen Verhältnissen Ende der 50/60 Jahre, und wie die damals weit verbreitete Prügelstrafe im Elternhaus, genauso wie in der Schule, den Protagonisten prägt.

Die Geschichte begleitet uns in Erinnerungswelten vieler Kinder, die längst erwachsen sind und eigene Familien gegründet haben, und das Thema Prügel und Missbrauch selten oder gar nicht vertiefen möchten.

Heini wird groß, er kommt in die Pubertät und beginnt das Elternhaus, die Kirche und das Landleben infrage zu stellen. Immer öfter kommt es zu Streit mit dem Vater und die Konflikte spitzen sich zu.

Heinrich von der Haar entlässt seine Zuhörer ebenfalls mit einem Cliffhanger zu seinem nächsten Buch, "Der Idealist".

Heini kehrt dem Münsterland den Rücken und macht sich auf den Weg in ein neues Leben, sein Leben, nach Berlin. Seine Suche nach sich und auf der Spur seiner Ideale stolpert Heini, nun Heiner, über eigene und fremd gestellte Fallen und erlebt so manches Abenteuer, bis er seinen Weg findet.

Die Trilogie rund um das Leben und Werden von Heini, wird 2014 mit einen dritten Roman die geplante Trilogie abrunden.

Zum Abschluss des Nachmittags las Catrin George zwei Miniaturkapitel aus ihrem Manuskript "Algarve - Verführe mich!" vor.


Resümé: Auch der zweite Buch und Lese Nachmittag mit literarischem Kolloquium in der Bücherei von Berenike Jacob, war ein Erfolg.

Vielen herzlichen Dank an das Publikum, die Zuckerbäckerinnen, die AutorInnen, und ganz besonders an Berenike Jacob und Tertulia! Wir freuen uns auf das nächste Mal!

13-05-31 Bettina Klusemann u.a. amazon

Rezension: Prägung und Befreiung. Ein politischer Entwicklungsroman zwischen Münster und Berlin.

Von Jens Grandt. In: junge Welt. 12.06.13, S. 4 Literaturbeilage

Der Idealist. In 8 Minuten ums Kottbusser Tor.

Wolfgang Schönau interviewt Heinrich von der Haar.

23. Mai 2013 Youtube-Video   Das Interview im Wortlaut:

Wolfgang Schönau: Hallo Heinrich

Heinrich von der Haar: Ja, Wolfgang


Ich freue mich, dich in Kreuzberg zu treffen, da, wo du eigentlich hingehörst ... oder wo dein Roman eigentlich hingehört.

Ja, der erste Teil des Romans und - wo ich auch gewohnt habe.


Die Zuschauer wissen das, dass der Münsterländer Flüchtling, wenn man das mal so sagen darf, hier gelandet ist. Wie fühlt sich das Ankommen in Berlin für den Heiner, den Protagonisten, an?

Er möchte ja die Enge des Münsterlandes eintauschen gegen die Freiheit in der Großstadt...


Hat er denn das Gefühl, am Anfang schon, dass die Freiheit eintrifft?

Er findet ja alles neu und ist aufgeregt, nicht mehr die Katholen im Hintergrund zu haben.


Ja?

Das kannst du mir glauben: Dem engen Münsterland zu entfliehen, das ist geil.


Wie war das nun in den siebziger Jahren, in West-Berlin, eingemauert und Bollwerk gegen den Kommunismus?

Der Heiner ist fasziniert von den WG-Genossen. Die fünf, die da zusammen wohnen, stammen alle aus autoritären Elternhäusern, von Nazi-Eltern oder wahnsinnskatholischen Eltern. Und mit denen nach Freiheit zu schnuppern, das fand er toll. Er hasst das ewige Ora-et-labora und die katholische Prügelerziehung und möchte seine Vergangenheit loswerden.


Was hat der junge Münsterländer Heiner denn Besonderes vorzuweisen, in Berlin wimmelte es ja auch von anderen Provinzflüchtlingen?

Ja, in der Tat. - Der Heiner kommt ja vom Bauernhof und er ist aufgrund seiner Arbeitserfahrung kein verrückter Spinner. Aber er kämpft verbissen. Verbissen - wie auch sein Vater verbissen um den Hof kämpft.


Ist denn der Idealist, den du da beschreibst, nicht ein bisschen blind?

Blind - mit seiner Arbeitserfahrung? Nein, nein, der ist vielleicht ein bisschen naiv, aber blind ist er nicht. Er ist hellsichtig und kampfeslustig. Natürlich gehen manche Ideen auch unter, aber bei ihm wachsen immer neue nach.


Ist er nicht ein hoffnungsloser Träumer?

Nein, nein, hoffnungslos auf keinen Fall. Ich weiß, Träumer werden oft blauäugig, verbohrt oder dumm hingestellt. Viele werten ja auch ihre Träume und Ideale aus der Kindheit als hoffnungslos ab und vergessen sie. Das tut der Heiner mit seiner Wut im Bauch ganz sicher nicht.


Heiner im Roman, Heiner in Berlin, Heiner in Berlin-Kreuzberg: Findet denn Heiner hier in Kreuzberg im Roman seinen Frieden?

O, das ist ein schweres Thema. Er ist ja mit seinem Vater in Hassliebe verbunden und denkt ja immer wieder zurück an seine Heimat. Und hat auch noch die Scham in sich, als Bauernjunge so benachteiligt worden zu sein. Was er mit der Muttermilch gesoffen hat, ist schwer, davon loszukommen. Er muss immer aufpassen, nicht rückfällig zu werden.


Wie belastet ist denn Heiner von seiner Verwurzelung in der Heimat. Kann er denn überhaupt die Vergangenheit neu bewerten?

Na ja, Heiner ist emotional sehr, sehr belastet. Er möchte gar nicht daran zurückdenken, aber er muss dauernd daran zurückdenken. Er will alles hinter sich lassen, aber das kann er nicht so leicht. Sein Durst nach Gerechtigkeit - der ist unstillbar. Und mit seiner Wut im Bauch kommt er immer wieder auf neue Ideen und kämpft.


Was hat dich inspiriert, deinen persönlichen Weg im Roman nachzuzeichnen, und ich denke mal, dein Alter Ego spielt dabei doch eine große Rolle?

Mein Alter Ego ja, aber mein persönlicher Weg: Es geht nicht um mich persönlich, auch nicht um meine Familie oder um mein Dorf, wirklich. Ich hatte große Lust, die inneren Wirrnisse eines Revoluzzers in den 70er Jahren nachzuzeichnen, also erlebbar zu machen. Und dabei kommt es nicht nur auf mein persönliches Erleben an.


Und - die Nähe zu deiner Hauptfigur - wie hast du die entwickelt?

Na ja, wer versetzt sich schon gern in solch eine schwierige Kindheit eines Bauernjungen aus einem untergehenden Dorf, der von Prügelerziehung und dem ewigen Ora-et-labora gekennzeichnet ist. Ich wollte mich ja anfangs gar nicht zurückerinnern und ich habe auch Jahrzehnte gebraucht, um mich dem zu widmen. Und es war nicht leicht, die emotionale Stabilität dabei zu behalten. Aber ich fand es für mich spannend, die Entwicklung der Rebellion auf die Reihe zu kriegen.


Jetzt stellt sich auf der anderen Seite des Bahnhofs Kottbusser Tor die Frage: Ist der Heiner nicht ein bisschen fanatisch? Oder sogar seinem Vater ziemlich ähnlich?

O ja, das ist er tatsächlich. Allerdings - zumindest anfangs - weiß er das nicht, dass er da seinem Vater durchaus gleicht. Er bekämpft im Grunde an seinem Vater, was er an sich nicht mag.


Ja, es kommt mir so vor, als hätte der Heiner auch etwas Religiöses.

(lacht) Ja, in gewisser Weise kann man das auch sagen. Sein ganzes soziales Engagement für Gerechtigkeit, wie er da demonstriert, auf dem Ku'damm: Das hat schon was Religiöses. Was ist denn religiös? Religiös ist einmal Selbstaufgabe - und das kennt der Heiner gut: sich aufopfern für was Anderes, für ein hohes Ziel. Ja und dann dieses Versprechen: Irgendwann kommt eine Zeit, wo alles besser ist, wo die Welt wirklich sozial gerecht ist - hofft er jedenfalls - so wie wenn Petrus irgendwann die Himmelstür aufmacht.

Rezension Peter Ploeger lovelybooks, 01.10.2013

Quelle: Berliner Blatt, 23.11.13

Quelle: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, 11.11.13

Quelle:  Frank Becker. In: Berliner Wochenblatt, 18.11.13